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In Ergänzung und Aktualisierung der heimatkundlichen Beschreibungen im Ortsplan Leutersdorf "Unsere Wanderwege", verfasst 1997 vom Ortswegewart, wird hier jetzt auch Spitzkunnersdorf mit einbezogen. 

© Dietmar Eichhorn

 

 

Der Hauptwanderweg Zittau-Wernigerode

 

              „Oberlausitzer Bergweg"      

        

  Zittau - Hartau - Eichgraben - Oybin - Lückendorf - Hochwald - Jonsdorf - Weberberg - Großschönau - Hutberg- Weißer Stein (Karasekhöhle) - Spitzkunnersdorf - Großer Stein - Folge - Zeile - Sorge -Oderwitz - Eibau - Walddorf - Kottmar - Bieleboh - Kälbersteine - Valtenberg - Elbsandsteingebirge - Erzgebirge - Thüringer Wald (Rennsteig) - Wernigerode/Harz

Damit durchquert einer der längsten und ältesten Wanderwege Deutschlands unser Gebiet. Als Saar-Schlesienweg ab 1928 markiert , verlief er damals zunächst etwas nördlicher:
Kloster Marienthal - Knorrberg - Herrnhut - Kottmar -  .... aber in den 30er Jahren wurde er dann über Zittau, das Zittauer Gebirge und unseren Ort gelegt.

Er verbindet heute die Bundesländer Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt und führt von Zittau bis nach Wernigerode im Harz.

Die Spitzkunnersdorfer Flur erreicht unser Oberlausitzer Bergweg von Süden her im Waldgebiet nördlich des Lindeberges. Dem aufgeschlossenen Wanderer wird nicht entgehen, dass er sich in einem naturgeschichtlich äußerst interessanten Terrain bewegt.
Vorbei am Weißen Stein führend (Hinweistafel zur Geologie und auch zum legendären Räuberhauptmann Karasek) gibt es hier eine Seltenheit: Es verlaufen nämlich 5 farbig markierte Wanderwege ein Stück gemeinsam. Bald darauf kommt man zur großen Wegekreuzung mit den vielen Wanderschildern und der Orientierungstafel. Wir folgen geradeaus dem blauen Strich, der sofort wieder rechts abbiegt bis an der S135 ein weiterer Wegweiser erreicht wird. Unweit der Stelle, an der wir gerade stehen, wurde früher Quarzkies abgebaut. Auch gegenüber der Straße, am Kiesberg, war ein solcher Steinbruch.  Bis in die 60er Jahre wurde hier dieses Gestein abgebaut und im Wegebau des Ortes verwendet. Später wurde es zur Schutthalde, die 2004 geschlossen und von der Gemeinde saniert wurde.
Der rote Strich verlässt uns an dieser Stelle. Gemeinsam mit dem roten Punkt führt unser Weg scharf rechts die Pappelreihe hinunter nach Spizkunnersdorf vorbei an dem 1880 gegründeten Textilbetrieb Wefa (Webfabrik), der nach der Wende schloss. Solche Betriebe waren neben Metallverarbeitung typisch für die dichtbesiedelte Oberlausitz und bis zur Wende überall zahlreich vorhanden. Die hiesigen Dörfer waren keine reinen Bauerndörfer, sondern oft Industriedörfer, fast alle mit mehreren großen Betrieben.
Hier wird nun die örtliche Hauptstraße erreicht und es geht auf dieser links bergan. An der Kreuzung kann der durstige oder hungrige Wanderer im „Wilden Hirsch" einkehren. Danach überqueren wir die Straße und stehen vor einer Orientierungsstafel. Links an der Bushaltestelle vorbei, nehmen wir dann den kombinierten Fuß- und Radweg auf der anderen Straßenseite etwa 200 m aufwärts Richtung Leutersdorf. Hier biegt unser Wanderweg nun gleich links ab, da wo der Wegweiser mit dem mundartlichen Sprüchlein steht, um bergan dem Großen Stein (471 m) zuzustreben. Es ist ein ganz besonderer Berg.

Er wurde einst auch Kunnersdorfer Spitzberg genannt, und man spricht hier auch vom Goethekopf. Das bedeutet, dass durch eine bestimmte Gesteinsformation (tertiärer Phonolith in geneigter Plattenstruktur) tatsächlich am kleineren östlichen Fels das Gesichtsprofil des großen deutschen Dichters zu erkennen ist. Man hat diesen Eindruck aber nur, wenn man dem Bergpfad ab dem Wegweiser steil bergan bis zur Tafel folgt und von da entsprechend dem grünen Schild (weiter oben) halb rechts nach oben blickt.

                                                                                             

 

 

Goethe reiste 1790 durch die Oberlausitz, um Schlesien zu besuchen. Dabei bestieg er auch die Schneekoppe. Unser heutiger Oberlausitzer Bergweg war Teil des alten Saar-Schlesienweges, der auch über die Schneekoppe und in Thüringen über den Rennsteig verlief.

Der Hauptgipfel ist dann linker Hand zu finden mit der Oberlausitzfahne und einem Gipfelbuch. Nach entsprechender Vorsicht beim Aufstieg (Absturzgefahr!) wird man belohnt mit einem prächtigen Rundblick in unsere heimatliche Landschaft sowie in das benachbarte Nordböhmen.

Am östlichen Horizont sind Isergebirge und Riesengebirge zu erkennen. Im Südosten grüßen aus dem Böhmischen „Vater Jeschken" hinter dem Zittauer Gebirge, im Südwesten der Tannenberg und im Nordwesten der Jüttelsberg. Im Norden dominiert der Kottmar. Eine komplette Aufzählung würde den Rahmen sprengen, man sollte selbst schauen!

Der Grundstock unseres markanten Berges ist aus Basalt. Im Tertiär verzeichnete man hier in der südöstlichen Oberlausitz wie auch im benachbarten Nordböhmen eine rege Vulkantätigkeit sowie subtropische Klimabedingungen. Das Ergebnis waren ganz verschiedene Gesteine: Zunächst Tuffe (Gesteine, die aus Asche entstanden), Polierschiefer und Braunkohle als Sedimentgesteine. Zum anderen Basalte und Phonolith (Klingstein), die sich im Verlaufe des Tertiärs (älteste Formation der Erdneuzeit) dann vor etwa 30 Mio. Jahren über die schon vorhandenen kristallinen Granite/Granodiorite sowie die kaum älteren Sedimente als magmatische Ergüsse legten.
Vom Großen Stein geht es an der Wegeteilung abwärts vorbei am „Lauscheblick" (Bank) und bald hinaus aus dem Wald. Über Grünlandflächen (der Weg ist hier nicht so deutlich, wohl aber die Ausschilderung) erreichen wir den schönen Aussichtspunkt Emmabank, der sich hinter der Hecke befindet. Im Westen sind der Rauchberg und der Wolfsberg zu erkennen, beide in Tschechien). Nun geht es weiter hinab an einer Hecke entlang über eine kleine Brücke. Schließlich kommt man auf einen Plattenweg, der uns links zur Wegweisergabel führt. Bald ist auch der Ortsteil Folge erreicht. Dieser besteht erst seit 1780 und wurde 1956 nach Leutersdorf eingemeindet. Am alten Pascherwege von Josephsdorf nach Warnsdorf gelegen, gehörte er vorher zu Seifhennersdorf. Die Bewohner fühlten sich hier aber wegen der Nähe immer eher zu Leutersdorf gehörig. Seit 2014 kann man im Cafe "Am Großen Stein" einkehren und selbstgebackenen Kuchen genießen (jeden Dienstag bis Freitag und jede ungerade Woche Samstag und Sonntag sowie an Feiertagen von 14:00Uhr - 18:00Uhr).

 

An der Zeile entlang, die die Ortsgrenze zwischen Leutersdorf (links) und Spitzkunnersdorf (rechts) bildet, geht es nun Richtung Nordosten. Schließlich wird die Verbindungsstraße Leutersdorf-Zittau überquert. Eine Rastmöglichkeit mit Imbiss besteht hier in der Landfleischerei Herzog (wenige Meter nach rechts gehen). Wir folgen unserem Hauptwanderweg (dem alten Pascherweg) schließlich weiter in Richtung Norden. Nach einem kurzen Schwenk nach rechts folgt bald ein solcher nach links. Wenn wir uns auf der Anhöhe umdrehen, erblicken wir nochmals zum Abschied den Großen Stein mit seinem Goethekopf.
Die gesamte Flur hier ist geologisch gesehen eine Basaltdecke, die über dem viel älteren Lausitzer Granit liegt. Bald erreichen wir die kleine Raststelle mit Orientierungstafel. Von links kommt der gelbe Strich aus dem Steinbruch hinzu.
Hier verlief übrigens auch die alte Enklavengrenze von 1635 bis 1849 (Böhmische Enklave Niederleutersdorf) mit dem Ortsteilen Neuwalde, Josephsdorf und Neuleutersdorf). Seit 2013 ist eine Tafel angebracht, die die geschichtlichen Besonderheiten erläutert.

Das Gemälde von Siegfried Neumann, einem Spitzkunnersdorfer Heimatmaler, gibt uns einen Vorgeschmack auf die bald folgende Aussicht nach Norden.
Der nun rechts von unserem Weg erscheinende Oderwitzer Spitzberg (510 m) ist ebenfalls eine relativ junge Basaltkuppe mit plattenartigen Gipfelgebilden aus Phonolith (Klingstein). Den Spitzberg erreicht aber unser „blauer Strich" nicht, sondern er verlässt unmittelbar vor dem Ortsteil Sorge die ehemalige Enklave (alter Grenzstein links). „Die Sorge" liegt 372 m hoch und hat mehrere Wegweiser und eine Infotafel. Der gelbe Strich verlässt uns zum Oderwitzer Spitzberg hin.
Das Wohnhaus des heutigen Reiterhofes Arnold vor uns war einst die „Restauration zur Sorge" und hatte auch andere Namen: Forsthaus, „Zum Goldenen Euter", Sorgeschenke.
Wir gehen aber geradeaus weiter an der alten Eiche vorbei. Es ist eine Wettineiche von 1889.

Dann ist 100 m weiter unten auch schon Oderwitzer Ortsflur erreicht. Über die Bleichteiche (auch sie sind ein Hinweis auf alte Textilerzeugungstraditionen) führt der Weg weiter, später am Beckenberg vorbei, der bereits zu Eibau gehört. Vor dem Faktorenhof (Museum, Gaststätte) steigt unser Weg zum  Kottmar an, der uns lange Zeit sein Antlitz grüßend entgegen hält.

Strecke Lindebergkreuzung-Bleichteiche: 8 km

Text und Fotos Dietmar Eichhorn, Ortswegewart Leutersdorf