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Gebietswanderweg Seifhennersdorf-Hirschfelde         

                                                                                                                       

Seifhennersdorf Waldbad Silberteich-KiEZ-Neuleutersdorf-Dörfelaussicht-Zittauer Platz-Steinbruch-Sorge-Oderwitzer Spitzberg-Oberoderwitz-Niederoderwitz-Sonnenhübel/Königsholz-Schönbrunn-Schlegel-Kemmlitzbachtal-Hirschfelde

Am Wirtschaftseingang des Kindererholungszentrums Seifhennersdorf steht der große Wegweiserpfahl. Hier wenden wir uns nach Osten und gehen an der ehemaligen böhmischen Enklavengrenze (auch auf dem Karasek-Ringweg) in den Wald hinein. Nach 500 m wenden wir uns gemeinsam mit dem Querxenweg links nach Norden. Bald biegen wir aber wieder rechts ab. Wir sind nun auf der alten Rumburger Straße, die uns aus dem Wald heraus führt. Hier stößt nochmals kurz der Karasek-Ringweg hinzu. Wenn wir die kleine Brücke überquert haben, stehen wir vor einer Tafel, die uns auf die "Kreibichschenke" hinweist. Es war einst ein berühmtes Gasthaus, allerdings auch ein Räubernest. Das Bächlein kommt von Neuwalde herunter und heißt Leite. Es gibt eine Rohrverbindung zum Teich. Weiter fließt es dann  in südöstliche Richtung, nimmt bald den Abfluss des Ziegenborns auf und mündet in das Leutersdorfer Wasser.

 

Die Kreibichschenke war Aufenthaltsort des berüchtigten Räuberhauptmanns Johannes Karasek (1764-1809, auch Karaseck). Sie stand hinter dem Teich, ca. 150 m oberhalb (nördlich) von hier auf dem Gebiet der oberen Butterwiese. Während der Tafelstandort zu Neuleutersdorf gehört, befand sich die Kreibichschenke auf Neuwalder Flur. Die Räuberbande fand hier in der böhmischen Enklave (einer Insel im sächsischen Gebiet, 1635-1849) immer wieder Unterschlupf. Ihre Raubzüge unternahm sie im weiten Umkreis der südlichen Oberlausitz und des nördlichen Böhmens, nicht aber im eigenen Ort. Nachdem man im August 1800 aber dann doch im Rittergut von Glathe in Oberleutersdorf eingebrochen hatte, wurde die Bande schließlich geschnappt. Karasek saß am Ende in der Dresdner Fronfeste, wo er 1809 starb.

 

Das Umgebindehaus links hatte einst eine Karasekstube. Hier trafen sich in privater Runde schon zu DDR-Zeiten Nachbarn im "Club" der Dorfgemeinschaft Neuwalde, ehe dann Ende der 90er Jahre das Haus verkauft und als Wohnhaus restauriert wurde. Wir sind im "Dörfel", das eigentlich Neuleutersdorf heißt und erst 1922 eingemeindet wurde. Bald biegt eine kleine Straße links nach Neuwalde ab. Unsere gelbe Wegemarke folgt aber weiter der Straße nach Osten. Am Lindeberg (linker Hand) stand bis 1955 jenes Haus, das nach der Parzellierung 1778 hier wohl eines der ersten war, das erbaut wurde. Eine Linde (einst waren es zwei) am Grundstückszugang unten weist uns auf das einstige Anwesen hin. Das Haus selbst hatte ein einfaches Schoberdach. Am Waldessaum grüßt noch der alte Apfelbaum. Bald kommt man am Ferienhaus Langer vorbei. Wenn die höchste Stelle des Dörfels erreicht ist (417 m), steht eine Tafel (Dörfelblick), die den Ausblick nach Süden veranschaulicht. Da neue Häuser entstanden sind, wurde der Ausblick allerdings eingeschränkt. Es ist aber unverkennbar, dass dieser Ortsteil von Leutersdorf sich in vorzüglicher landschaftlicher Lage befindet. 

Nachdem der Meierhof in Niederleutersdorf 1777 abbrannte, ließ die Liechtensteinsche Herrschaft die hiesige Flur parzellieren und verkaufte sie. Die Siedler kamen hauptsächlich aus Rumburg und Warnsdorf. Von 1798-1922 war man sogar eine eigenständige Gemeinde. Kirchlich und schulisch gehörte der Ort zu Warnsdorf. Die hier verlaufende alte Rumburger Straße wurde von den Niederleutersdorfern und später von den Neuleutersdorfern benutzt, wenn sie die herrschaftliche Verwaltung in Rumburg besuchen wollten.

                                                                                

Wenn wir nun die langgezogene Bergstarße hinunterwandern, haben wir den Oderwitzer Spitzberg im Blickfeld. Die Tafel links zeigt uns diesen Berg, gemalt vom Ortsmalers Michael Zöllner. Bald nähern wir uns der katholischen Kirche Maria Himmelfahrt (rechts). Die einschiffige Saalkirche ist baugeschichtlich und kunstgeschichtlich von Bedeutung. Uns fällt vor allem die gemusterte farbige Dachgestaltung auf. Die Höhe des Kirchturmes beträgt 41,40 m. 1862 im neugotischen Stil errichtet, geht dieser Bau wie auch der der evangelischen Christuskirche an der Hauptstraße drei Jahre später, auf den Zittauer Stadtbaumeister Carl August Schramm zurück. Dieser war Schüler von Karl Friedrich Schinkel und hat in der Oberlausitz mehrere Bauwerke hinterlassen, vor allem Kirchen, Rathäuser, Schulen und Amtsgebäude. Er war Direktor der Baugewerkeschule in Zittau (welches auch sein Bauwerk ist) und Träger des Sächsischen Albrechtsordens.

Direkt am Wanderweg und (Karasek-) Radweg ist noch eine kleine Wanderkapelle hinzugekommen. 2011 wurde sie geweiht und man kann sich hier auch (kathol.) trauen lassen. Ein Hauch von Tirol bei uns in der Oberlausitz! Das Türmchen ist 6,40 m hoch. Erbaut wurde die kleine Kapele von der Familie Guttwein, die die Pension "Blaue Steine" seit 1995 auf dem dazugehörigen Grundstück betreibt.

                                 

Beim Abzweig unseres Wanderweges in die Geschwister-Scholl-Straße verlassen wir Neuleutersdorf und kommen nach Niederleutersdorf. Später biegt der gelbe Strich rechts in die Mittelstraße ab und geht nun mit dem roten Punkt gemeinsam weiter. Ehe wir das Leutersdorfer Wasser überqueren, könnten wir das Textilmuseum "Lautexerinnerungen" besichtigen (kurzer Abstecher nach rechts zum ehemaligen Schulhort, geöffnet an Sonntagen und nach Absprache). Leutersdorf hatte bis zur Wendezeit umfangreiche Industrie (Webereien, Metallverarbeitung u.a.) wie die meisten Dörfer der südlichen Oberlausitz.

Wenn wir am Zittauer Platz bei der Apotheke dann die Hauptstraße überqueren, finden wir sogleich in der Poststraße eine Orientierungstafel. Dahinter steht der neue Komplex für betreutes Wohnen. An der Zahnarztpraxis geht es vorbei und bald werden die Gleise der Bahnstrecke Eibau-Seifhennersdorf-Zittau überschritten. Links war der Leutersdorfer Bahnhof.1874 begann hier der Zugverkehr, der 2006 ganz eingestellt wurde.

Am Wegweiser zeigt uns das Schild die Ostrichtung an. An Kleingärten vorbei geht es allmählich  bergan zur Anhöhe des Richterberges (405 m), dessen Kuppe verschwunden ist. Bevor wir hier den ehemaligen Steinbruch erreichen, lohnt ich ein Blick zurück auf den Ort. Da hier oben Phonolith (Klingstein) ansteht, wurde das Gestein früher zwecks Schottergewinnung abgebaut. Wir durchqueren heutzutage eine Mulde, die sich mit Wasser gefüllt hat. Das Gelände drohte zu einer Müllkippe zweckentfremdet zu werden, jedoch wurde es Anfang der 70er Jahre vom Kulturbund zu einem Flächennaturdenkmal umgestaltet. Umgehen wir das Gelände aber außen herum, so genießt man schöne Aussichten von den Rändern. So etwa am "Jeschkenblick" oder am Nordrand den Blick zum Kottmar.

Hinter dem Steinbruch zeigt uns der Wegweiser am Sorgeweg eine Richtungsänderung an. Am Rastplatz können wir aber zunächst Platz nehmen. An der Tafel wird uns der Verlauf der ehemaligen böhmischen Enklave erklärt, durch die wir wandern. Grenzsteine stehen daneben. Wir wenden uns dann nach Norden mit dem Oderwitzer Spitzberg zur Rechten und dem Kottmar gerade aus. Ehe wir in die Sorge kommen, zeigt uns ein alter Grenzstein linker Hand an, dass wir nun die ehemalige Enklave verlassen.

An der Wettineiche erfahren wir auf der Tafel um die Besonderheit dieses Baumes. Rechts das Eckhaus war einst das Gasthaus Sorgeschenke von Alwin Schwarz oder zuvor auch "Goldenes Euter" genannt, das nach 1945 geschlossen wurde. Karasek und Kumpanen sind hier vielleicht 1800 gar schon eingekehrt, wobei dann sicher nicht nur Milch getrunken wurde. Beweise dafür haben wir allerdings noch nicht, denn der Ortsteil ist erst 1800 oder gleich danach  entstanden.

                            

 

Wir biegen hier nun rechts ab. Seit 2006 unterhält Familie Arnold hier einen Pferdehof mit Reithalle.

                           

Eine Garnbleiche für Leinen und Baumwolle gab es seit 1828 östlich und westlich der Sorge. 1845 ließ sie der Mittelleutersdorfer Rittergutsbesitzer nach Norden verlegen, wo er am Oderwitzer Wasser auch Bleichteiche ausheben und ein Trockenhaus errichten ließ.

Wenn wir dann zum Waldrand kommen, biegen wir an der kleinen Bank nach links ab. Gerade aus kämen wir zum Schwarzen Teich  - in idyllischer Lage. Da wurde einst Torf abgebaut, das Wasser ist heilkräftig. An der Waldecke aber verlassen wir nun Leutersdofer Flur und gehen unten über eine kleine Brücke des Oderwitzer Wassers, dem Abfluss vom Schwarzen Teich. Zwischen Pferdekoppeln hindurch steigen wir den Wiesenweg bald sanft an, den breiten Bergkegel des Oderwitzer Spitzberg immer vor Augen. Wenn wir den Wirtschaftsweg (Betonplatten) erreichen, machen wir einen Rechts- und am Wegweiser sogleich wieder einen Linksknick und weiter geht es bergan in der Ostrichtung. Nun öffnet sich aber immer mehr  ein sehr schöner Blick auf Eibau mit seiner Kirche und den Kottmar. 

Wenn wir den Waldrand erreichen, könnten wir zunächst einmal Rast halten. Der Ausblick ist großartig, mit tollem Panorama. Im Süden fällt uns rechter Hand der Wolfsberg in Nordböhmen mit seinen 581 m auf. Die Mandau entspringt an seinem Fuß. Nach rechts wendet sich unser Weg nun und wir gehen knapp innerhalb des Waldes mit schönen Durchblicken. Bald wir der grüne Strich aufgenommen, der von Spitzkunnersdorf herauf kommt. Steil und steinig geht es nun bergan auf dem letzten Stück zum Gipfelplateau. Bald grüßt auch schon die Bergbaude. Sie wurde 1891 vom Oderwitzer Bauern Alwin Palme errichtet. Im Hausflur ist der Intarsienschnitt "Karasek vor der Kreibichschenke" erwähnenswert. Das Werk stammt von Helmut Wenzel (1997). Nicht nur Durst löschen und Hunger stillen kann man hier, nein, auch übernachten.

Die Gipfelklippen aus Phonolith hinter dem kleinen wassergefüllten ehemaligen Steinbruch stehen seit 1935 unter Naturschutz. Sie weisen die typische Struktur dieses vulkanischen Gesteins auf. Hier wird seit 2000 auch aktiv geklettert. 100 Routen gibt es und eine Kinderklettergarten.

                                     

Der Oderwitzer Spitzberg mit seinen 510 m Höhe ist nicht ein Berg wie jeder andere. Er gilt zu Recht in der Oberlausitz als Berg mit der umfassendsten Rundsicht. Um die tolle Landschaft voll zu erleben, steigen wir zum eigentlichen Gipfel. Dabei sind 2 Stellen mit Geländer gesichert. Auf dem rechten Hauptgipfel finden wir eine Triangulierungssäule aus Granit von 1864 sowie Erläuterungen zur Aussicht. Vom Valtenberg in der südöstlichen Oberlausitz schweift der Blick zum Iser- und Riesengebirge im Osten genau so wie vom Zittauer Gebirge im Süden bis ins Heideland im Norden. Das Braunkohlekraftwerk von Boxberg scheint manchmal zum Greifen nahe. Am 9.5.2009 konnte man von hier die Sprengung von 2 altenSchornsteinen beobachten.

Unser gelber Strich verläuft nun gemeinsam mit dem grünen Strich weiter nach Osten. Hinab geht es nach Oderwitz, vorbei an der Sommerrodelbahn, die 1995 errichtet wurde.

Streckenlänge KiEZ Seifhennersdorf-Oderwitzer Spitzberg: 7 km

Text und Fotos:  Dietmar Eichhorn, Wegewart